Jul 09

Investoren entdecken den Dialog!

Der neue Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlage belegt: Engagement als Methode zur Durchsetzung nachhaltiger Interessen ist auf dem Vormarsch

 

Alle Jahre wieder berichtet das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) über das Investitionsverhalten im deutschsprachigen Raum in Bezug auf nachhaltige Anlagekriterien. Seit fast 10 Jahren berichten wir jährlich in unserem Blog über die Fortschritte des Investierens unter finanziellen und gesellschaftlichen Aspekten. Auch wenn diese Anlagestrategien weiter mit zweistelligen Wachstumsraten nachgefragt werden, gibt es mit einem Marktanteil von unter 3% in Deutschland weiterhin noch viel zu tun.

Aus der Diskussion bei der Vorstellung des Marktberichts im Juni 2017 in Berlin wurden zumindest die Ursachen für die weitere Dominanz des konventionellen Investierens immer deutlicher: Weder bei Banken noch bei Versicherungen besitzen die Berater die notwendige Qualifikation, um die Kunden auch unter nachhaltigen Aspekten zu beraten. Nur eine sehr kleine Minderheit von Beratern ist in der Lage, bei der Prüfung der Anlagementalität ihrer Kunden auch auf die Berücksichtigung von gesellschaftlichen Aspekten einzugehen. In der Folge fehlt es auch weiterhin vielen Häusern an der notwendigen Produktauswahl nachhaltiger Anlagen. So wird das aktuelle Wachstum von 29% im deutschsprachigen Raum vor allem von den Institutionellen Investoren getragen. Diese warten nicht darauf, dass Berater ihnen die nachhaltigen Geldanlagen anbieten, sondern fordern aus guten Gründen zunehmend „saubere Investments“. Denn es wird immer deutlicher, dass nachhaltiges Investieren zu einer höheren Qualität der Anlagenprüfung führt und damit in der Lage ist, die Risiken zu reduzieren.

Dass gerade die gut informierten Investoren immer häufiger nachhaltige Anlageaspekte berücksichtigen, ist nicht die einzige gute Nachricht aus dem aktuellen Marktbericht. Es freut mich ganz besonders, dass bei immer mehr nachhaltigen Anlagen die Methodik des Engagements auf dem Vormarsch ist. So hat sich die Nutzung dieses Strategiebausteins gegenüber 2015 fast verdoppelt, mithin das größte Wachstum im Methodenkasten der nachhaltigen Investoren. Lange Zeit wurde der Einfluss der Investoren auf die Geschäftspolitik der Unternehmen unterschätzt. Nicht nur durch Stimmrechtsnutzung auf den Hauptversammlungen sondern auch im direkten Dialog mit den Vorständen und Kommunikationsabteilungen der Aktiengesellschaften können Fehlentwicklungen bei einer verantwortlichen Unternehmensführung adressiert werden. Dieses Instrument ist auch deshalb so sinnvoll, weil es – anders als bei Ausschlusskriterien – zunächst für die Anlagestrategen keine Einschränkung des Anlageuniversums darstellt. So kann das Engagement auch der erste Schritt für konventionelle Anlagen in Richtung Nachhaltigkeit sein. So beginnen auch erste große Anbieter wie z.B. Union Investment, das Engagement für den gesamten Wertpapierbestand zu nutzen, anstatt das Instrument nur mit den Aktien anzuwenden, die unter nachhaltigen Strategien erworben wurden.

Das GOOD GROWTH INSTITUT und die Schwestergesellschaften WerteWachstum und das finanzkontor vertreten im Vergleich zu den Schwergewichten der Branche nur eine geringe Anzahl von Investoren. Doch auch unsere kritischen Briefe (z.B. zum Thema Palmöl) an die Vorstände großer Konzerne werden wahrgenommen und teilweise ausführlich und individuell bearbeitet. In unserem nächsten Nachhaltigkeitsbericht werden wir dazu detaillierter informieren.

 

 

Lesen Sie hier eine Zusammenfassung zu der Vorstellung des Marktberichts von meinen Kollegen vom Verband Ökofinanz21:

https://www.oekofinanz-21.de/wp-content/uploads/2017/06/170605-Blog-zum-Marktbericht-FNG-02_final.pdf

Den vollständigen Marktbericht können Sie hier herunterladen.

http://www.forum-ng.org/images/stories/Publikationen/fng_marktbericht_2017_online.pdf

 

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Jul 09

ETFs: Pantoffelinvestment oder Brandbeschleuniger?

Wer einschlägige Geldanlagemagazine studierte kam an ETFs nicht vorbei

Wer in den letzten Jahren die einschlägigen Geldanlagemagazine studierte oder den Tests und Aussagen der Verbraucherschützer folgte, kam an den Begriffen „ETF“ oder „Passivinvestment“ nicht mehr vorbei.

Die Exchange-Traded Funds (kurz ETFs) investieren wie klassische Fonds in einen Korb von Wertpapieren, beispielsweise Aktien. Dabei verzichten ETFs auf ein teures, aktives Management, da sie einen fest definierten Index, z.B. den DAX einfach nur als Anlage nachbilden. Während klassische Investmentfonds die Wertpapiere und Unternehmen in die investiert wird, analysieren und aktiv auswählen, bilden die ETFs einfach den gesamten Index nach und werden daher auch als passives Investment bezeichnet.

Da aktive Manager häufig auch Fehlentscheidungen treffen und dennoch höhere Kosten verursachen, sind Verbraucherschützer, Fachpresse und natürlich auch die herausgebenden Banken voll des Lobes über die billigen ETFs. So gab die Stiftung Warentest unter der Bezeichnung „Pantoffel Portfolio“ schon vor Jahren die Devise an die Anleger aus, zukünftig ihr liquides Anlagevermögen in ETFs zu investieren.

Nur sehr selten werden die Risiken von ETFs in der Presse diskutiert, doch in letzter Zeit mehren sich auch kritische Stimmen. Gleich mehrere Aspekte sorgen bei der Bankenaufsicht und Fachleuten für Bauchschmerzen:

  1. Marktrisiken werden nicht gedämpft:
    Vor allem ETFs auf Aktienindizes sind anfälliger für Marktschwankungen als die aktiv verwalteten Fonds, die durch die Berücksichtigung von nachhaltigen Anlagekriterien, höhere Kassebestände oder Umschichtungen die Risiken dämpfen können. Dies kann gerade bei Privatanlegern schneller dazu führen, dass diese ausgerechnet in einer Krisenphase den Ausstieg suchen und damit hohe Verluste machen.
  2. Handelsrisiken:
    Im Sommer 2015 führte ein Minicrash im amerikanischen Dow Jones Index zu einer Flut von Verkaufsaufträgen von ETFs, die massive Kursverzerrungen innerhalb weniger Handelsminuten verursachten. Gerade dann, wenn es abwärts geht an den Märkten können also ETFs zu Verkaufslawinen führen, denen keine Käufer mehr gegenüberstehen. Damit sind die Verkäufer in der Krise dann gleich doppelt bestraft.
  3. Undurchsichtige Fondskonstruktionen:
    Um Kosten zu sparen, wird die Industrie immer kreativer bei der Frage, wie man aus den Anlagen in den ETFs noch Zusatzerträge erzielen kann. Obwohl die Anlagen des Fonds eigentlich Sondervermögen sind und damit vor dem Konkurs der Fondsgesellschaft geschützt sind: Wenn z.B. die Wertpapiere an Dritte verliehen werden oder die Partizipation am Index teilweise durch Forderungskonstruktionen gegenüber Dritten abgebildet werden, dann führt das zu immer mehr Intransparenz, die bei extremen Systemkrisen dann doch auch zu substanziellen Ausfällen bei den ETFs führen kann. Schon jetzt sind diese Konstruktionen auch für Experten nicht mehr nachvollziehbar. Wer die Kreativität der Zertifikatebranche vor der Finanzkrise 2008 noch vor Augen hat, muss befürchten, dass die boomende ETF Branche auch nicht davor zurückschreckt, für ein paar Basispunkte mehr Ertrag die Sicherheit der ETFs zu untergraben.
  4. Risiken für das Finanzsystem:
    Die früheren Generationen wissen das noch: Über eine Brücke marschieren die Soldaten nie im Gleichschritt – die Schwingungen von einer Hundertschaft im Gleichschritt können eine massive Brücke zum Einsturz bringen. Auch die boomenden ETFs bringen immer mehr Anleger in den Gleichschritt. Wenn nun an schwarzen Tagen die ETF Anleger nervös werden, und in hoher Zahl gleichzeitig auf den Verkaufsknopf drücken, erfährt die synthetische Konstruktion hinter den ETFs (getragen von den ohnehin schwankenden Banken) eine nie erfahrene Belastung.

Die Gleichschaltung aller Anleger steigt nicht nur mit zunehmender Beliebtheit der ETFs. Immer mehr Computersysteme auch Robo-Advisor genannt, werben um die Gunst der unkundigen Anleger. Auch hier wird mit niedrigen Gebühren geworben und gerade die jüngeren Generationen lassen sich von dieser modernen Art des Investierens begeistern. Doch den Allgorithmen der Computer zu vertrauen, könnte eben gerade im Crash fatal sein, wenn dann auch hier alle Systeme zugleich auf „Verkauf“ setzen – egal zu welchem Preis.
Die Kosteneinsparungen der ETFs werden teuer bezahlt, mit einem substanziellen Risikopotenzial, das gerade in Finanzkrisen wie ein Brandbeschleuniger wirken kann. Kundige Anleger oder Vermögensverwalter können ETFs als taktisches Instrument durchaus sinnvoll nutzen. Vor allem langfristige Sparer, die ein bequemes Pantoffelinvestment suchten, könnte die nächste Krise allerdings unsanft aus den Latschen holen.

 

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Mai 02

Ende der Armut – Die Wirkung von Mikrofinanz unter der wissenschaftlichen Lupe

Zusammenfassung eines Vortrags von Prof. Radermacher in Mannheim vom 26. Januar 2017 über eine Studie des FAW Instituts

Vor rund 10 Jahren erhielt Prof. Mohammad Yunus den Friedensnobelpreis für die Wirkung der von ihm in Bangladesch gegründeten Grameen Bank. Danach schlugen die Wellen der Euphorie hoch um die Kleinstkredite in Schwellen- und Entwicklungsländern, mit denen sich vor allem Frau einen Nebenerwerb finanzieren konnten.

Doch der Flut der Begeisterung folgte wenige Jahre später eine große Ernüchterung. Selbstmorde von Kreditnehmern in Indien, Wucherzinsen in Mexico und andere Skandale beschädigten den guten Ruf von Mikrofinanz und stellten das Lebenswerk von Prof. Yunus in Frage. War das wieder einmal viel Rauch um Nichts oder ist Mikrofinanz doch eine geniale Idee zur Beseitigung der Armut?

Das FAW Institut unter der Leitung von Prof. Radermacher hat sich dieser Frage bereits vor knapp 3 Jahren gestellt und wesentliche Erfahrungen und Beobachtungen von KreditnehmerInnen und Mikrofinanz-ExpertInnen in einer Studie zusammengefasst.

Das Grundproblem in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ist der fehlende Zugang für die breite Bevölkerung zu einem Finanz- und Kreditsystem. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass in den Schwellenländern viele finanzielle Transaktionen zu kleinteilig und zu dezentral sind, um durch ein traditionelles Bankensystem kostendeckend bereit gestellt werden zu können. Ohne Mikrofinanz bleibt in Armutsgebieten nur der Gang zu den privat organisierten Kredithaien, die mit ihren Wucherzinsen ganze Familien in eine ewige Schuldenabhängigkeit und eine Art moderne Sklaverei führen. Doch was ist der Schlüssel, der es den Mikrofinanzbanken ermöglicht, erstaunlich hohe Rückzahlungsquoten bei völlig mittellosen Familien zu erzielen?

Die folgenden Punkte beschreiben die wichtigsten Erfolgsfaktoren von unbesicherten Kleinkrediten, nach Prof. Yunus:

  1. Die Kredite erhöhen die Produktivität der Familie, es handelt sich also überwiegend um Investitionskredite. Die Mikrokredite werden aber nicht nur verwendet, um eine Nähmaschine, ein Nutztier oder ein anderes Kleingewerbe zu finanzieren. So werden mit Mikrokrediten z.B. auch Solarzellen refinanziert, die einen Ersatz für teures und ungesundes Licht aus Petroleumleuchten darstellen. Häufig wird auch ein Kredit aufgenommen, um die Ausbildung der Kinder bezahlen zu können.
  2. Kreditnehmerinnen sind überwiegend Frauen. Dies hat sich gerade bei kleinen Krediten bewährt, wo Frauen sich als diszipliniertere Kreditnehmerinnen erwiesen haben. Das Hauptmotiv der Frauen ist dabei meist eine Verbesserung der Lebenssituation für ihre Familie, insbesondere auch die ihrer Kinder. Indirekt führt die Bevorzugung von Frauen als Kreditnehmerinnen damit auch zu einer Verbesserung der Stellung der Frauen in den oft muslimisch geprägten Regionen.
  3. Oft werden die Kredite an eine Gruppe gegeben, d.h. es werden genossenschaftliche Strukturen gebildet. Dabei besteht z.B. bei der Grameen Bank keine Kollektivhaftung der Kreditgemeinschaft füreinander. Allerdings wird die Aufnahme neuer Kredite für die Gruppe stets an die Rückzahlung der bestehenden Darlehen geknüpft. Dieser soziale Druck reicht in der Regel völlig aus, um sicher zu stellen, dass alle Mitglieder der Kreditgemeinschaft die Mittel sinnvoll nutzen und den Kredit plangemäß zurückführen. Dieser Gruppeneffekt macht eine Prüfung der einzelnen Investitionsvorhaben überflüssig und reduziert damit den Aufwand der Kreditvergabe.
  4. Schulung und sozialgesellschaftliche Orientierung sind fest mit der Kreditvergabe verbunden. So ist beispielsweise in Bangladesch die Einrichtung und Nutzung von Latrinen oder die Gesundheitsvorsorge für die Familie ein fester Bestandteil der Schulung der Kreditnehmerinnen. Darüber hinaus wird den KreditnehmerInnen beispielsweise verboten, verschwenderische Hochzeiten zu veranstalten. Diese haben eine lange Tradition in muslimischen Ländern, wo die Hochzeit der Töchter sowie die Höhe der Mitgift die Eltern oft unrettbar in die Schuldenfalle getrieben hat.

Natürlich gibt es global viele Variationen von Mikrofinanz und auch jenseits von Frauen- und Gruppenkrediten gibt es erfolgreiche Mikrofinanzbanken. Allen guten Mikrokrediten ist jedoch gemeinsam, dass sie nicht plünderisch sind und die KreditnehmerInnen nicht in die Abhängigkeit von der Mikrofinanzbank gezwungen werden.

Die Einfachheit und Genialität des Mikrofinanzsystems darf dennoch nicht überschätzt werden. Auch in den Schwellenländern ist nicht jeder Mensch ein geborener Unternehmer und nicht jeder Kredit führt zu positiven Wohlstandseffekten. Realistisch können lt. Prof. Radermacher ca. 10-20% der Bevölkerung von Mikrofinanz profitieren, wobei über Multiplikatoreffekte (z.B. besser ausgebildete Kinder, weniger Krankheiten) darüber hinaus noch ein positiver Hebel besteht.

Es ist Prof. Radermacher wichtig zu betonen, dass selbstverständlich (Mikro-)Kredite nicht das Allheilmittel gegen Armut sind. Humanitäre Hilfe und Sozialsysteme kann Mikrofinanz also nicht ersetzen, auch braucht es ein Mindestmaß an Rechtsstaatlichkeit, damit Mikrofinanz überhaupt funktionieren kann. Allerdings hat Mikrofinanz den Vorteil, dass dieses Instrument unabhängig von den staatlichen Systemen wirken kann und damit die Eigenverantwortung der Menschen auch in den ärmsten Ländern stärkt. Die Studie kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass es Prof. Yunus mit Mikrofinanz gelungen ist, einen wichtigen Baustein zur Reduzierung der Armut auf der Welt zu liefern.

Der Erfolg der von Prof. Yunus gegründeten Grameen Bank ist mittlerweile so gewaltig, dass die Summe der Spareinlagen der (ehemaligen) Kreditnehmerinnen größer ist, als die Summe der ausstehenden Kredite. In vielen anderen Ländern verfügen Mikrofinanzbanken allerdings noch nicht über so hohe Einlagen und sind auf Refinanzierung u.a. durch Mikrofinanzfonds angewiesen. Bei sinnvoller Auswahl der Institute können hier auch heute noch Investoren einen Beitrag zur weiteren Verbreitung von Mikrofinanz und zur Reduzierung der Armut leisten und dabei Renditen zwischen 2 und 3% p.a. erzielen.

Sprechen Sie uns bitte an, wenn Sie mehr über Mikrofinanz erfahren möchten.

Hier der Link zur gesamten Studie:

http://www.faw-neu-ulm.de/wp-content/uploads/2015/04/Mikrokredit-Studie-dt-2014.pdf

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