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Sep 02

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Exklusiver Börsenausblick September 2013

The Tempest, Der Sturm, heisst das letzte Theaterstück Shakespeares, in dem er den in Seenot geratenen Ferdinand ausrufen lässt: „Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier!“

Nun, seit etlichen Wochen geht ein solches Unwetter über die Devisenmärkte der Schwellenländer hinweg und die Teufel verrichten ihr Werk wie erwartet mit Perfektion. Der Chart zeigt beispielhaft den Sturz der indischen Rupie.

Chart neu SeptmberIn den Strudel sind ebenfalls die indonesische Rupie, der philippinische Peso, der thailändische Baht und einige andere geraten. In Südamerika sieht es ähnlich chaotisch aus. Der brasilianische Real und der mexikanische Peso verlieren rapide an Wert gegenüber dem U.S. Dollar und dem Euro. Vor den Grenzen der EU ist es die türkische Lira, welche scharf abwertet.

Der Auslöser für diese brandgefährliche Entwicklung liegt in der japanischen Politik der Yen-Abwertung, welche zu Marktanteilsverlusten anderer Länder führte. Damit verminderte sich deren Schuldentragfähigkeit bezüglich ihrer Auslandsschulden (in Fremdwährung). Folglich gingen die Kurse der Auslandsanleihen auf Talfahrt. Die Reaktion der Schwellenländer auf die Wechselkursverluste war vorhersehbar und bisher ebenso vorhersehbar vergeblich. Die brasilianische Notenbank erhöhte seit April viermal die Leitzinsen um insgesamt 175bp auf mittlerweile neun Prozent. Drastische Zinsanhebungen gab es auch in der Türkei und natürlich Indien sowie Indonesien. Damit ist der Weg in die Rezession für diese Volkswirtschaften vorgezeichnet. 

Aber auch die entwickelten Volkswirtschaften in Nordamerika und Europa werden davon nicht unberührt bleiben. Auf die Schwellenländer entfallen mittlerweile rund fünfzig Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Devisenmarkt-Interventionen der Schwellenländer (Dollar- und Euro-Verkäufe gegen heimische Währung) haben zu einem rasanten Abschmelzen ihrer Devisen-Reserven geführt. Auslandsvermögen musste liquidiert werden, allen voran U.S. Treasurys and deutsche Staatsanleihen, um Mittel für Interventionen zu mobilisieren. Deutsche Staatsanleihen hatten noch im Mai ein Allzeit-Hoch verzeichnet, bevor es steil bergab ging. Die Jahresperformance deutscher Staatsanleihen (eb.rexx.overall TR Index basierend auf tatsächlichen Kursen) schrumpfte auf negative -2.44%! Zehnjährige U.S. Staatsanleihen verloren gar 3.2% (auf Euro-Basis). Fazit: Die Abwehr der Devisenspekulation hat bereits das Renditegefüge der Hartwährungsländer in Bewegung gesetzt und dort zu einer (unbeabsichtigten und ungewollten) Straffung der Geldpolitik geführt. Der Chart zeigt exemplarisch den Trendwechsel der Euro-Geldmarktzinsen. Chart neu Septmber2

Dies wird nicht spurlos an den Aktienbörsen der Hartwährungsländer vorübergehen. Die Aufwertung von Dollar und Euro wird das Exportgeschäft signifikant dämpfen. Bisher hat der Mai das Hoch an den allermeisten Märkten markiert. Die in Euro gerechnete Jahresperformance liegt bei nur rund sechs Prozent: MSCI EAFE Free +5,91%, MSCI Pacific Basin +6,19%, MSCI Europe +5,66%, MSCI EMU +5,75%. Lediglich Nordamerika sticht mit einem Plus von 14,1% hervor. Diese Performance kann aufgrund der Währungsturbulenzen schnell verloren gehen. Dies gilt umso mehr als sich die Devisenreserven der Schwellenländer rasch erschöpfen und als Ultima Ratio bereits Kapitalverkehrskontrollen im Gespräch sind (Brasilien).

So trübe sich die Aussichten auch gegenwärtig darstellen, es gibt auch positive Aspekte. Wie die Geschichte lehrt, können solche Währungskrisen sehr schnell vorübergehen, wenn man die Wechselkurse sich selbst überlässt und den Markt eine neue Basis finden lässt. Ein solches Vorgehen würde auch dieses Mal die Teufel wieder in die Hölle zurückschicken. Das bedeutet unter Umständen eine sehr hohe Volatilität an allen Finanzmärkten, aber anschließend haben sich immer großartige Kaufgelegenheiten vor allem für Aktien ergeben (z. B. 1992 und 1998).

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