Exklusiver Börsenausblick Mai 2018: Zinneckers Gedanken

Zahlreiche asiatische Aktienmärkte profitierten mit neuen Allzeithochs


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RÜCKBLICK

Die Renten- und die Währungsmärkte lagen im abgelaufenen Monat trotz der erneuten US Zinsanhebung stabil, während die Börsen in New York, London und Tokyo neue Höchst- bzw. Rekordstände verzeichnet haben. Die neuerlich angehobenen globalen Wachstumsprognosen und die lang ersehnte und noch vor Weihnachten verabschiedete US Steuerreform waren im Wesentlichen der Anlass. Davon konnten auch zahlreiche asiatische Aktienmärkte mit neuen Allzeithochs profitieren, während die EU Börsen trotz der guten Wirtschafts- und Unternehmensdaten zum Jahresausgang weiter vor sich hin dümpelten und bis heute ihre Indexhöchststände aus dem Jahr 2015 nicht nachhaltig überwinden konnten. Negativzinsen, der steigende Euro, Rendite stärkere Direktinvestitionen und nicht zuletzt die Unfähigkeit der deutschen Parteien eine neue funktionsfähige und innovative Regierung zu bilden, mögen die Gründe dafür sein.

Blickt man auf das vergangene Jahr, so hat die Weltwirtschaft trotz vieler Störfaktoren seitens der Politik mit +3.6% viel besser abgeschnitten, als es alle Jahresprognosen vorausgesagt hatten. Das gilt für die Einschätzung der globalen Preisentwicklung und des US Dollar ebenso. Die Erwartung der weiteren Befestigung des Dollars hatte Ende 2016 ein jähes Ende gefunden und hat seitdem gemessen an dem US Dollar-Index um ca. 10% abgewertet. Die seitens der Zentralbanken erhoffte Belebung der Inflation ist bisher ebenfalls nicht eingetreten. Der stetig steigende Arbeitskräftemangel hat mit Hilfe der vordringenden Digitalisierung und dem Internet neuartige Produktions- und Logistikverfahren in einem bisher nicht bekannten Ausmaß zum Einsatz gebracht. Sie haben nicht nur dazu beigetragen, dass trotz gestiegener Rohstoffpreise und Lohnkosten die Inflationsentwicklung unterdrückt worden ist, sondern dass auch die Arbeitsproduktivität und die Gewinndynamik der Unternehmen wesentlich gesteigert werden konnte. Alle diese Faktoren haben dazu geführt, dass 2017 ein überraschend gutes Aktienjahr geworden ist.

Vor allem die US Aktienbörsen haben trotz der politischen Unsicherheit unter Präsident Trump, steigender US Zinsen und erreichter Vollbeschäftigung mit absoluten Indexhöchstständen und mit Zuwächsen zwischen 32% (NASDAQ 100), 25% (DJ Index) und 20% (S+P500) überrascht. Diese Entwicklung ist der Tatsache geschuldet, dass auf der Basis des S+P500 neben der positiven Gewinnentwicklung von ca. 11% für 2017 das Kursgewinnverhältnis auf Grund der weiteren Risikobereitschaft der Anleger sich nochmals um 9% erhöht hat. Von dem globalen Konjunkturaufschwung haben auch die asiatischen Wachstumsmärkte und die Börsen der Schwellenländer in besonderer Weise im abgelaufenen Jahr profitiert. Demgegenüber hat der deutsche Aktienmarkt trotz Gewinnplus von 13% wegen der KGV-Kontraktion von 3% nur 10% zugelegt. Eine KGV Kontraktion haben auch die Börsen in London und Tokyo im abgelaufenen Jahr erfahren.

AUSBLICK

Die globale Wirtschaft sollte im kommenden Jahr wiederum einen Zuwachs von 3.6%+ verzeichnen. Davon würden weiterhin auch die USA mit einem geschätzten BIP-Wachstum von 2.6% nach 2.3% profitieren, Seitens der OECD sind zwar im November die Wachstumsraten für die EU und für Deutschland als Zugpferd für 2018 angehoben worden, aber sie hinken doch dem Rest wesentlich hinterher. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Die EU in ihrer Gesamtheit kommt seit 2008 strukturell und ökonomisch nicht mehr richtig in die Gänge. Während die Gemeinschaft sich politisch in den antiquierten auf Sozialausgleich ausgerichteten Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen des letzten Jahrhunderts verzettelt, entstehen in Asien neue Wirtschaftsimperien. Dort liegt Europas ökonomische Zukunft, Russland eingeschlossen. Es zeigt sich immer dringlicher, dass jetzt der politische Zusammenschluss der EU-Mitglieder zu einem Staatenbund kommen müsste, um die Zukunft zu meistern. Stattdessen glauben viele ihr eigenes Süppchen kochen zu müssen, Deutschland steht ohne eine zukunftsorientierte Regierung da, und mit den Wahlen in Italien Anfang März steht das nächste Debakel ins europäische Haus.

KAPITALMARKTAUSSICHTEN

Ungeachtet der verschiedensten weltweiten politischen Hindernissen und der ungelösten Probleme sollten sich die globale Wirtschaft und deren Kapitalmärkte wie schon seit längerer Zeit auch in 2018 davon weitest gehend lösen können. So sollten die Anleger davon ausgehen, dass das positive geldpolitische und inflationsarme Umfeld bis auf weiteres Bestand haben wird und dass die Unternehmen auch weiterhin steigende Gewinne erwirtschaften und den Anlegern höhere Dividenden bescheren werden. Das sollte nach der verabschiedeten Steuerreform vor allem für US amerikanische Unternehmen aber auch für Töchter ausländischer Gesellschaften gelten. So wird erwartet, dass hier einschließlich des Einmaleffekts die Gewinne in 2018 nochmals zweistellig um ca. 15% ansteigen. Trotz der schwächeren Wachstumszuwächse in Europa wird auch in Deutschland und der EU wieder mit einem neuerlichen Gewinnanstieg von ca. 10% gerechnet.

So stellt sich die Frage, ob die Aktienbörsen in 2018 nochmals wie in 2017 ähnlich erfolgreich verlaufen werden? Was könnte das Bild über das Jahr hinweg ändern? Sicher ist, dass sich die Industriestaaten in der Spätphase eines global synchronen Wirtschaftsaufschwungs befinden. Der Mangel und die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften sollten stärkere Lohnerhöhungen mit sich bringen. Das gilt vor allem für die Investitions- und Ausrüstungsgüterindustrien, die die steigende Nachfrage nach privaten und staatlichen Erweiterungs- und Infrastrukturinvestitionen werden befriedigen müssen. In dieses Bild passt auch der überraschende Nachfrageanstieg nach Energie. Sollten allerdings – entgegen den Erfahrungen aus 2017- die von den Zentralbanken gesteckten Inflationsziele in diesem Jahr überstiegen werden, müssten diese ihre bisherige Zins- und Geldpolitik im Grundsatz überdenken, was zwangsläufig im späteren Jahresverlauf dann auch in Europa zu steigenden Zinsen und zu Verlusten in Rentenanlagen führen müsste.

Bei dieser Konstellation wird eine Ausweitung der Kursgewinnverhältnisse wie 2017 unwahrscheinlich. Die zukünftigen Aktienkurs- und Indexpotentiale stünden dann nur noch in enger Abhängigkeit der zukünftigen Richtung der Gewinnentwicklung der Unternehmen. Für den Anleger sollten aktiv gemanagte Investmentstrategien dann erfolgversprechender als passive Anlageformen wie Aktienindexfonds sein.

  1. RÜCKBLICK
    Der US amerikanische Wirtschaftszyklus befindet sich jetzt deutlich sichtbar in seiner Spätphase. Der Arbeitsmarkt trocknet allmählich aus. Qualifizierte Arbeitskräfte werden knapp und sind nur noch mit Lohnzugeständnissen zu haben. Der letzte Wert (101.40) des US-Verbrauchervertrauens der Universität von Michigan ist auf dem Niveau von 2007 angelangt. Der Druck auf steigende Erzeuger- und Rohstoffpreise hat seit Jahresbeginn stetig zugenommen und die Inflationsrate liegt im März 2018 bereinigt bei 2.10%. Darauf haben die Kapitalmarktzinsen in den USA weiter reagiert und jetzt die Marke von 3% für 10jährige Staatsanleihen erreicht. Diese Entwicklung hat ebenfalls alle Rentenmärkte inklusive der Schweiz und Japan mit sich gezogen, obwohl die ökonomischen Rahmenbedingungen in diesen Ländern nur teilweise mit denen der USA zu vergleichen sind. Die Aktienbörsen haben ihre im Januar begonnene Korrektur unter Führung der Leitbörse in New York auch im abgelaufenen Monat fortgesetzt. Der US Dollar hat sich dagegen stabilisieren können, während der Schweizer Franken weiter abgewertet und mit 1.20 fast den gesamten Aufwertungsgewinn gegenüber dem Euro aus dem Jahr 2015 verloren hat.
    AUSBLICK
    Mit dem Erreichen des globalen ökonomischen Wachstumshöhepunktes ist zugleich das sogenannte Goldilocks-Scenario für die Anleger zu Ende gegangen. Die Zeiten sinkender Zinsen, entspannter Zentralbankpolitiken in einem stabilen Inflationsumfeld und stetig steigender Unternehmensgewinne gehören zunächst der Vergangenheit an. Die Kapitalmärkte, deren Entwicklung seit 2009 im Wesentlichen durch die diversen Zentralbankpolitiken und ökonomische Daten bestimmt worden ist, werden in Zukunft zunehmend von politischen Ereignissen beeinflusst werden. Dazu gehören nicht nur die ernst zu nehmende und bisher vollkommen offene Auseinandersetzung in den zukünftigen amerikanischen Handelsbeziehungen gegenüber China, Europa und dem Rest der Welt, der Iran- und Syrienkonflikt, die Beziehungen zu Russland und nicht zuletzt die politische und ökonomische Stellung der EU nach innen und außen. Mit einer gewissen Besorgnis muss man konstatieren, dass der politische Torso der EU im internationalen Konzert der Mächte als politische Kraft immer weniger wahrgenommen wird und zunehmend eine untergeordnete Rolle spielt. Das ist bei den kürzlichen Besuchen von Präsident Macron und Frau Merkel bei Herrn Trump in den USA und bei der politischen Entwicklung in Korea deutlich geworden.
    Das ist ein Grund, warum die europäischen Aktienmärkte in den letzten Jahren im Verhältnis zu den anderen Aktienbörsen an Attraktivität verloren haben. Hinzu kommen jetzt die Unsicherheit über die ungeklärte Zukunft des Freihandelsabkommens mit den USA, die möglichen Auswirkungen der einseitig angeordneten Einfuhrzölle für Stahl und Aluminium seitens der USA und über die weitere Zins- und Währungsentwicklung als zusätzliche Kosten- und Ertragsfaktoren.
    Währungsveränderungen haben seit jeher bei Export-lastigen Volkswirtschaften wie Deutschland, der Schweiz oder auch Italien und deren Unternehmen eine erhebliche Rolle gespielt. Das gilt auch jetzt nach der seit 2017 beständigen Abwertung des US Dollar wieder, wie die veröffentlichten Quartalsgewinne eindrücklich belegen. Während die amerikanischen global operierenden Unternehmen neben der Steuerreform vor allem vom schwachen Dollar profitiert haben, haben viele europäische Gesellschaften unter dem Aufwertungsdruck des Euros teilweise erhebliche Gewinneinbußen hinnehmen müssen.
    KAPITALMARKTAUSSICHTEN
    Die Anleger werden sich von nun an auf ein raueres Investmentklima an den Renten-, Währungs- und Aktienmärkten einstellen müssen. Das gilt vor allem für diejenigen Investoren, die in der Vergangenheit mit Hilfe von Aktienindexzertifikaten relativ risikoarm ihre Depots bestückt haben. Die Struktur der jetzigen Abwärtsbewegung mit seinen von Branche zu Branche sehr unterschiedlichen Kursverlusten zeigt einerseits, dass die Zeit permanent steigender Aktienindices bis auf weiteres der Vergangenheit angehören wird und in Zukunft passive Anlagestrategien minimale oder auch negative Erträge bescheren können. Das ist bereits seit drei Jahren an einigen EU-Aktienmärkten trotz der positiven Wirtschaftsentwicklung bereits der Fall gewesen. Dazu gehören mittlerweile auch die im Dax-Kursindex zusammengefassten 30 deutschen Standardwerte mit einem mageren Plus von nur ca. 2%.
    Die globalen Aktienmärkte geraten von nun an in ein schwierigeres Fahrwasser. Trotz der heftigen Korrektur befinden sich die Aktienbörsen börsentechnisch jedoch weiterhin in Bullenmärkten, sodass nach Abschluss der Kurskorrektur an einigen Börsen neue Indexhöchststände erzielt werden können. In den USA werden die Zins- und Inflationsentwicklung und das Gewinnwachstum der Börsenunternehmen für den weiteren Jahresverlauf richtungsweisend sein. Ein zusätzlich positives Momentum könnte sich aus dem erfolgreichen Verlauf der Friedensverhandlungen in Korea ergeben, an dem die USA dann maßgeblich beteiligt sein würden. Auch Herr Putin hat sich mittlerweile als Vermittler eingebracht. Das könnte positive Auswirkungen auf die Börsen in Japan und Südkorea haben.
    In Europa hängt die Wiederbelebung der Aktienbörsen von drei Faktoren ab. Die Währungsentwicklung des Euro, der positive Ausgang der Verhandlungen über ein modifiziertes Handelsabkommen mit den USA und die Bereitschaft von Frankreich und Deutschland nach den erfolglosen USA-Reisen, endlich jetzt die überfällige Lösung des Problems des vereinigten Europa voranzutreiben, auch wenn am Ende nur noch eine Minimallösung um die Grenzen des Reiches Karls des Großen herum herauskommen würde.
    Ungeachtet der kurzfristigen Börsenentwicklungen sollten aktiv gemanagte Portfolios jetzt erst recht passive Anlageprodukte in ihrer zukünftigen Wertentwicklung schlagen.

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