Exklusiver Börsenausblick August 2013: Wachstum! Wachstum! Wachstum?

Die Rahmen-bedingungen für gesamtwirtschaftliches Wachstum bleiben weltweit, mit nur geringen Unterschieden, bescheiden.

Daran kann auch eine im globalen Maßstab überaus expansive Geldpolitik nur wenig ändern. Dies impliziert, dass die Aktienbörsen seit dem Frühjahr anfällig für Kursrückschläge sind und bleiben, weil es mit dem „Brot-und-Butter“-Geschäft der Unternehmen hapert. Dies gilt praktisch weltweit.

Nomura Reasearch hat folgenden Chart veröffentlicht.

Entwicklung der Exporte asiatischer Schwellenländer nach Zielregionen gegliedert.

Entwicklung der Exporte asiatischer Schwellenländer nach Zielregionen gegliedert.

Er zeigt die Entwicklung der Exporte sechs asiatischer Schwellenländer (China, Hong Kong, Korea, Singapore, Taiwan und Thailand) im Jahresvergleich bis zum Juni 2013 und nach Regionen gegliedert. Punktgenau zum Jahreswechsel 2012/13 knicken die Kurven auf der Graphik nach unten und zeigen den schlagartigen Momentumverlust der globalen Konjunktur. Zum andern dürfte dieses Abknicken auch auf die aggressive Abwertungsstrategie der Japaner zurückzuführen sein, welche zu Verlusten von Marktanteilen der Schwellenländer geführt hat. An der Graphik fällt zudem auf, dass die Eurozone (schwarze Linie) im Vergleich mit anderen Regionen negativ hervorsticht.

Aber hier sagt der Markit Purchasing Managers Index eine Besserung voraus! Auf der zweiten Graphik erkennt man, dass der Index in den Bereich über 50% gestiegen ist.

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Einkaufsmanagerindex (PMI) und Bruttosozialprodukt (GDP).

Das (gelbe) BIP sollte ihm folgen, so die landläufige Interpretation. Aber es ist Vorsicht geboten. Beispielsweise fiel im 2. Quartal in Schweden das BIP um 0.1%, obwohl der PMI einen kräftigen Anstieg suggerierte. In den USA stagniert die Wachstumsrate die privaten Konsumausgaben seit vielen Monaten bei knapp 2%, obwohl der Consumer Sentiment Index seit langem wachsende Ausgaben „vorhersagt“. Gelten also die traditionellen Indikatoren nicht mehr oder hat es gar einen „Paradigmenwechsel“ gegeben? Ja und nein.

Die alten makroökonomischen Zusammenhänge sind auch die neuen. Was hingegen heutzutage von den wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern ausgeblendet wird, ist der duale Charakter der Löhne. Diese sind einerseits Kosten der Unternehmen, andererseits aber auch Einkommen, das zum Erwerb von Gütern und Dienstleistungen verwendet wird. Der Versuch, durch Lohnzurückhaltung neue Arbeitsplätze zu schaffen ist deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil mit der Lohnsenkung automatisch ein entsprechender Nachfragerückgang verbunden ist. Sinkende Masseneinkommen gehen Hand in Hand mit sinkender Nachfrage, Investitionsschwäche, Arbeitslosigkeit und schwacher Produktivität.  Aggregiert man die Masseneinkommen der USA, Europas, Japans und Chinas und vergleicht ihre Entwicklung unmittelbar nach jeder Rezession seit 1982, dann ist sofort ersichtlich, dass sie sich seit 2009 dramatisch schwächer entwickelt haben als jemals zuvor. Hierin liegt die Hauptursache der lahmenden Konjunktur weltweit und besonders der Abwärtsspirale der Eurozone.

Fazit: Solange die Nachfrageseite von der Wirtschaftspolitik vernachlässigt wird, muss man die globalen Konjunkturaussichten pessimistisch beurteilen. Umso mehr sind die Aktienkurse aber auch Spielball von Abläufen an den Finanzmärkten selbst. Hierunter fallen vor allem die Wechselkursverschiebungen zwischen den großen Währungen, weil sie über Gewinn und Verlust von Marktanteilen (und Unternehmensgewinne) entscheiden. Besonders der Dollar-Wechselkurs beeinflusst auch die Schuldentragfähigkeit bzw. die Rentenmärkte von Schwellenländern mit hohen Dollarschulden. Taktische Flexibilität und Risikokontrolle (ja, immer noch!) geniessen daher Priorität in unserem anlagepolitischen Handeln.

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