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Jun 04

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Exklusiver Börsenausblick Juni 2013: Globalitis oder Kommunizierende Röhren

Der Mai war zumindest an den Börsen kein Wonnemonat.

Rüdiger Braun, AO Demographics

Rüdiger Braun, AO Demographics

Die Aktienmärkte schlossen schwächer und auch die Anleihen mussten teils kräftige Kursverluste einstecken. So verlor beispielsweise der Japanische Aktienmarkt von seiner Spitze stattliche fünfzehn Prozent (in Yen gerechnet) und an den internationalen Rentenmärkten dürfte Brasilien nach einer Leitzinserhöhung in der letzten Maiwoche wohl den Vogel abgeschossen haben. Innerhalb von zwei Wochen verloren brasilianische Auslandsanleihen immerhin bis zu sieben Prozent. In den USA und Europa hielten sich die Verlust and den Anleihemärkten in Grenzen, waren allerdings immer noch schmerzhaft. An den Devisenmärkten verzeichnete der Euro gegenüber dem Yen und dem U.S. Dollar keine größeren Schwankungen. Die Edelmetalle Gold und Silber konnten sich weiter stabilisieren. Was ist also geschehen?

 

Vordergründig waren die letzten Meldungen von der Konjunkturfront gar nicht so schlecht. Der IFO Geschäftsklima-Index verzeichnete eine kleine Verbesserung im Mai. Dasselbe galt für die aussagefähigeren Einkaufsmanager-Indizes des britischen Research-Hauses Markit und am Monatsultimo den Chicago PMI. Die U.S. Hauspreisentwicklung war ebenfalls eine Spur besser als erwartet und dann auch das U.S. Verbrauchervertrauen. Also, eigentlich alles in Butter, oder? Natürlich nicht! Was macht der gut ausgebildete Börsenkommentator, wenn das Ergebnis (die Kurse, die Realität) nicht zur Nachrichtenlage passt? Er dreht den Spieß einfach um. „Der Markt“ glaubt zur Zeit, dass die Zentralbanken (vor allem die amerikanische) bei so guten Meldungen von der Konjunkturfront zu früh die Geldpolitik straffen könnte und steigende Zinsen sind nunmal schlecht für die Konjunktur und damit auch die Aktien. Und für die Anleihen allemal! Wir wissen ja nicht, wie viel Urteilsvermögen diese Herrschaften den Zentralbankern zutrauen, aber das erscheint uns doch etwas arg wenig zu sein.

 

„Was macht der Markt?“, haben wir im letzten Monat getitelt und das ist die Frage, die wir uns jeden Tag stellen. Schaut man sich die Entwicklungen rund um den Globus an, dann sieht man sehr schnell, wo das ganz „große Kino“ geboten wird. Man sieht schon seit längerem, dass die Rohstoffpreise beinahe ohne Ausnahme nach unten tendieren. Dies gilt vor allem für die Industriemetalle und zeugt nicht von einer globalen Konjunktur, die Fahrt aufnimmt. Dies stempelt zunächst die Rohstoffproduzenten zu Verlierern dieser Entwicklung. Und diese Länder sind gleich doppelte Verlierer, wenn sie sich in Fremdwährung verschuldet haben, um den Kapitalbedarf ihrer Volkswirtschaften zu decken. Denn die heimische Währung verliert mit rückläufiger Konjunktur an Wert. Andererseits gewinnt die Gläubigerwährung und die Gläubigerwährung schlechthin ist seit langem der U.S. Dollar und somit ist ein starker U.S. Dollar, wie wir ihn zur Zeit erleben, Gift für jedes Schuldnerland. Bei lahmender Konjunktur schauen internationale Anleger daher auf die Höhe des Leistungsbilanzdefizits der (vielfach Schwellen-)Länder, um deren Schuldentragfähigkeit zu beurteilen. Dieser Prozess hat ganz offensichtlich jetzt begonnen und das eröffnet der Spekulation entsprechende Perspektiven. Erinnerungen an George Soros‘ Attacke auf das englische Pfund im Jahr 1992 werden wach.

Brazilian Bond

Fazit ist, dass eine Vielzahl von Währungen im Mai gegenüber dem U.S. Dollar (und Euro) stark unter Druck geraten sind. Das gilt vor allem für die zweite Hälfte des Monats. Allein in der letzten Mai-Woche verlor zum Beispiel der südafrikanische Rand um über fünf Prozent zum Euro. Die Auslandsanleihen der betroffenen Länder folgten auf dem Fuße (s. Chart). Und weil im großen Stil Verluste aufgetreten sind, müssen die entstandenen Lücken irgendwie gestopft werden, meistens zu Lasten der Märkte, die sich bisher am besten gehalten hatten. Quasi ein System kommunizierender Röhren. Oder auch der Preis der Globalisierung. Diesen Renditeanstieg am Anleihemarkt aber mit einer erstarkenden Konjunktur gleichzusetzen, wie es so viele Beobachter anscheinend heutzutage tun, ist verfehlt. Und in einer solchen Situation geldpolitisch auf die Bremse zu treten, trauen wir erst recht keinem der amtierenden Zentralbankpräsidenten zu. Für diese gilt, was zur Zeit für jeden Anleger gelten sollte: Risiken kontrollieren und so gering wie möglich halten.

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